Vorfeld in Dresden, der Carat kommt auch an Flughäfen gut zurecht.
Der Blick auf den Taxiway gibt eine Vorstellung über die Sichtverhältnisse im Cockpit. Beim Rollen und im Abfangbogen sieht man nach vorne nicht viel.
Die zwei Gepäckfächer sind groß genug für eine Campingausrüstung!
Das Herabnehmen der Cowling dauert ca. drei Minuten, danach kommt man tadellos an alles ran.
Normaler Anschau-Hänger, der Deckel ist etwas höher als bei der Standardversion.
Der Bolzen wird in Längsrichtung eingeführt, der mit ihm verbundene senkrecht stehende Stift wird in eine darunterliegende Buchse gedrückt. Durch die Sitzwanne kann dieser seine Position nicht mehr ändern.
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Wenn man den Carat nicht wie ich aufgerüstet lässt, kann man ihn per Einann-Aufrüsthilfe aus dem Anhänger (Standardgröße mit etwas höherem Deckel) genauso schnell wie alle anderen modernen 15m- Flugzeuge aufrüsten. Alle Steuerorgane schliessen sich bei der Montage selbsttätig an. Das Höhenleitwerk wird mit einem Federbolzen , der Hauptbolzen durch die Sitzschale gesichert. Die übliche Abkleberei raubt noch am meisten Zeit!

Der Kraftstofftank fasst 54 Liter, die Tanköffnung ist gut erreichbar vor dem Cockpit angebracht, den Ölpeilstab kann man durch ein kleines Loch in der Cowling herausziehen. Wenn man einmal Öl nachfüllen muss, sind zum Abnehmen der Cowling erstmal ca. 15 Schrauben zu lösen. Der Motor braucht allerdings nur wenig Öl, ich fülle alle ca. 20 Stunden einen halben Liter nach.

Über den linken Flügel klettert man ins Cockpit, welches durch verstellbare Pedalen und eine Rückenlehne mit ebenfalls mehreren Stellungen sehr geräumig und bequem ist. Hinter dem Sitz hat man zwei große Gepäckfächer, an den Cockpitwänden findet man drei kleine Gepäcktaschen.

Das Anlassen des Motors ist denkbar einfach: Hauptschalter an, Zündung an, Choke ziehen. Dann die elektrische Spritpumpe kurz einschalten und den Anlasserknopf drücken. Der Sauer-Motor springt für gewöhnlich auf den ersten Anlasserdruck an, und läuft sauber rund. Diese Prozedur gilt auch für das Anlassen in der Luft.
Das Warmlaufen geschieht auf dem Weg zur Piste. Da die Cowling deutlich über dem Horizont steht, ist ein leichter Zickzackkurs erforderlich, um den Rollweg einsehen zu können. Die Spornradsteuerung ist mit dem Seitenruder gekoppelt und sehr empfindlich. Es sind nur sehr kleine Ausschläge erforderlich! Die hydraulische Scheibenbremsanlage ist gut dosierbar und wirksam, Kopfstandsneigung besteht beim Carat nicht.  Auf Gras sollte möglichst langsam gerollt werden, durch die geringe Spurweite bekommen die Tragflächenspitzen sonst eventuell Bodenberührung.

Beim Start achte ich zum Spurhalten auf die Landebahnränder. Der Knüppel bleibt anfangs neutral, bei ca. 70km/h wird er leicht gedrückt, um das Spornrad in die Luft zu bekommen. In dieser Lage wird weiter beschleunigt, die Richtung kann mit dem Seitenruder gut gehalten werden, bei ca. 90km/h hebt das Flugzeug ab. Das Einfahren des Fahrwerks dauert ca. 20 Sekunden, leider gibt es keine Kontrollleuchte, ob der Fahrwerksmotor noch arbeitet oder nicht. Ich helfe mir hier mit der Spannungsanzeige des Navigationsrechners, die das Ende des Einfahrvorgangs deutlich macht.
Die empfohlene Steigfluggeschwindigkeit beträgt 125km/h, aber ich steige normalerweise mit höheren Geschwindigkeiten von 150-160km/h. Das Steigen ist hier noch akzeptabel gut, die Motorkühlung aber um einiges besser. Im Durchschnitt steige ich mit ca. 2m/s, im Anfangssteigflug sind bis zu 4m/s drin.

Im Reiseflug erreicht mein Carat bei maximaler Dauerdrehzahl ca. 195km/h True Airspeed, dabei verbraucht er gute 10 Liter SuperPlus pro Stunde. Bei einem Vergleichsflug zwischen meiner Seriennummer 6 und der Seriennummer 30 haben wir bei der Reisegeschwindigkeit einen deutlichen Unterschied festgestellt, der neuere Flieger erreichte gute 220km/h TAS. Die Reichweite liegt bei 800km mit einer Reserve von fast einer Stunde. Der Lärmpegel im Flugzeug ist sehr erträglich, ich fliege allerdings meist mit Headset. Für kurze Steigflüge zum Erreichen des nächsten Bartes lasse ich das Headset aber hinter mir liegen.

Der Übergang in den Segelflug ist so einfach, wie er nur sein kann: kurz den Motor im Leerlauf abkühlen lassen, Fluggeschwindigkeit unter 90 km/h reduzieren, Zündung aus, und der Propeller bleibt stehen und faltet sich vor. Die Propellerblätter sind über zwei Metallplatten miteinander verzahnt, so dass ein asymetrisches Ein-/Ausklappen ausgeschlossen ist. Auch bei höheren Geschwindigkeiten halten die Teleskopfedern die Blätter in der Segelflugstellung. Der Nachteil daran ist, dass zum Anlassen des Motors der Anlasser benötigt wird, Windmilling ist nicht möglich.

Im Segelflug kann man den Carat leistungsmäßig zwischen ASK23 und ASW 15 einschätzen, er hat eine echte Gleitzahl von ca. 1:36. Bei schwacher Thermik steigt das Flugzeug aufgrund der hohen Flächenbelastung nicht so gut, aber im Gleitflug zeigt es respektable Leistungen. In der Thermik wird mit 95-100km/h geflogen, im Vorflug sollten 150km/h nicht überschritten werden, um auf der Polare nicht allzuweit nach unten zu rutschen. Bei hohen Geschwindigkeiten macht sich der relativ große Rumpfquerschnitt bemerkbar. Die Wendigkeit des Carats ist gut, Die 45°-Rollwendigkeit liegt bei ungefähr 3,5-4 Sekunden, die Ruder sind auch bei langsamen Geschwindigkeiten gut wirksam und gut abgestimmt.

Das Cockpit ist sehr bequem, auch Flüge von 10 Stunden Dauer sind gut zu überstehen. Die Sicht ist gut, die drei Seitentaschen bieten genug Stauraum für kleine Snacks, Karten, Taschenkalender etc. Auch das obere Gepäckfach erreicht man während des Fluges mit ein bisschen Gelenkigkeit.

Die Überzieheigenschaften des Carats sind recht harmlos, aber bei voll gezogenem Knüppel kippt er über einen Flügel hab. Ein Nachlassen des Knüppels reicht aber, um die Strömung sofort wieder anliegen zu lassen und ein Trudeln zu verhindern. Die Mindestgeschwindigkeit liegt bei etwa 80 km/h.

Wenn man die Landung im Motorflug durchführt, sollte man zu Beginn des Gegenanflugs die Platzrundenhöhe erreicht haben. Zum Ausfahren des Fahrwerks muss auf 130km/h reduziert werden, im Sinkflug dauert das Reduzieren aber sehr lange. Mit Bremsklappen geht es natürlich schneller, aber das finde ich unelegant. Das Fahrwerk braucht ca. 20 Sekunden bis zur ausgefahrenen Position, ein grünes Licht zeigt das Verriegeln an. Falls die Elektrik ausfällt, kann man die Räder auch manuell nach unten pumpen, dies dauert dann aber mal mindestens eine Minute. Die Kraftstoffpumpe und die Vergaservorwärmung werden dann noch eingeschaltet und die Fluggeschwindigkeit bei etwa 115 km/h gehalten.

Die Bremsklappen sind sehr wirksam und ermöglichen sehr steile Anflüge. Die Geschwindigkeit muss man dabei im Auge behalten, um einen Abfangbogen zu ermöglichen. Normalerweise fliege ich mit ca. halben Klappen an und fahre sie dann dicht über dem Boden während des Abfangbogens allmählich voll aus. Man sollte unbedingt bei Mindestfahrt aufsetzen, um ein Springen nach der Landung zu verhindern. Seitenwindlandungen sind auch bei höheren Windgeschwindigkeiten mit ein bisschen Übung gut möglich.

Am Boden ist der Carat wieder wie ein Motorflugzeug, dementsprechend ist er auch an großen Flughäfen und Landeplätzen problemlos zu betreiben.




Flugeigenschaften 
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